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<title>Bastonade</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Bastonade</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Bastonade</b>, <b>Bastinado</b> (franz. <i>bastonnade</i>, ital. <i>bastonata</i> = Stockhieb, zu: <i>bastonare</i> = prügeln, zu: <i>bastone</i> = Stock)<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder früher <b>Sohlenstreich</b>, im <a href="Arabische_Sprache" title="Arabische Sprache">arabischen Sprachraum</a> <b>Falaka</b>, bezeichnet je nach Zwecksetzung und Ausführungsweise eine <a href="K%C3%B6rperstrafe" title="Körperstrafe">Züchtigungspraktik</a> oder <a href="Folter" title="Folter">Foltermethode</a>, bei der eine Folge von Hieben auf die bloßen <a href="Fu%C3%9Fsohle" class="mw-redirect" title="Fußsohle">Fußsohlen</a> einer Person vollzogen wird.
</p><p>Die Bastonade wird häufig mit <a href="Naher_Osten" title="Naher Osten">nahöstlichen</a> und <a href="Ferner_Osten" title="Ferner Osten">fernöstlichen</a> Ländern in Verbindung gebracht, wo diese meist in der dort gebräuchlichen <i>Falaka</i>-Methode teilweise öffentlich ausgeführt wird und durch Augenzeugenberichte und fotografische Dokumente erfasst ist. Mit dem Schlagen gerade der entblößten Füße nimmt diese Züchtigungsmethode oft auch bewusst Bezug auf die Sinnbildhaftigkeit des Bestrafens für Übertretungen.
</p><p>In China ist eine Vollziehung der Bastonade seit dem Jahr 960 dokumentiert, in Europa findet sie im Jahr 1537 erstmalige Erwähnung.<sup id="cite_ref-Torture_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Torture-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der deutschen <a href="Gebrauchssprache" title="Gebrauchssprache">Gebrauchssprache</a> war früher der Begriff <i>Sohlenstreich</i> geläufig, vgl. Mozarts <i><a href="Die_Zauberfl%C3%B6te" title="Die Zauberflöte">Die Zauberflöte</a></i> (siehe unten), welches dem seltener verwendeten Begriff <i>Sohlenhiebe</i> im gegenwärtigen Sprachgebrauch entspricht. In der deutschen Umgangssprache wurde die Bastonade mitunter auch durch die Wendung <i>(Anzahl) auf die Fußsohlen</i> umschrieben. Im englischen Sprachraum ist überwiegend die Begriffsvariation <i>Bastinado</i> gebräuchlich, zeitweilig wurde der Begriff <i>booting</i> verwendet, gelegentlich wird es auch als <i>foot whipping</i> oder <i>sole caning</i> bezeichnet.<sup id="cite_ref-Torture_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Torture-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<p>Die jeweilige Anzahl der aufeinanderfolgend verabreichten Hiebe variiert abhängig vom Sachzusammenhang und der im jeweiligen Kulturkreis verwendeten Methode. Im <a href="Iran" title="Iran">Iran</a> gelten 50 Hiebe als vergleichsweise milde Strafe, gegenüber Straftätern kann ein Vielfaches hiervon verhängt werden. Im <a href="Osmanisches_Reich" title="Osmanisches Reich">Osmanischen Reich</a> ist die Verhängung von 250 Hieben geschichtlich dokumentiert (zu Iran und osmanischem Reich vgl. Abschnitt <a class="mw-selflink-fragment" href="#Neuzeitliche_Geschichte">Neuzeitliche Geschichte</a>). In Mozarts <i><a href="Die_Zauberfl%C3%B6te" title="Die Zauberflöte">Die Zauberflöte</a></i> werden 77 Hiebe erwähnt. Während der <a href="Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Zeit des Nationalsozialismus">Zeit des Nationalsozialismus</a> wird beispielsweise aus <a href="Heimerziehung_in_Deutschland#Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Heimerziehung in Deutschland">Kinderheimen</a> von 100 bis 170 Schlägen berichtet.<sup id="cite_ref-kurier.at_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-kurier.at-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Umstände_der_Anwendung"><span id="Umst.C3.A4nde_der_Anwendung"></span>Umstände der Anwendung</h2></div>
<p>Die Bastonade wird häufig unter solchen Rahmenbedingungen eingesetzt, in denen bestimmte Personen grundsätzlich dem Recht oder der faktischen Möglichkeit zur <a href="K%C3%B6rperstrafe#Justizielle_Körperstrafen" title="Körperstrafe">Züchtigung</a> durch andere hierarchisch höher stehende Personen unterworfen sind. Sie kommt verstärkt zur Anwendung, wo die betreffenden Menschen zudem durchgehend zur <a href="Barf%C3%BC%C3%9Figkeit" title="Barfüßigkeit">Barfüßigkeit</a> gezwungen sind, wie es in Gefängnissen häufig üblich war und in vielen Ländern auch heute noch ist.
Die Umstände für die Anwendung der Bastonade können für die betreffenden Personen z.&nbsp;B. durch persönliche <a href="Barf%C3%BC%C3%9Figkeit#Gefangenschaft" title="Barfüßigkeit">Unfreiheit</a> in Form von <a href="Gefangenschaft" title="Gefangenschaft">Gefangenschaft</a> oder <a href="Sklaverei" title="Sklaverei">Sklaverei</a> sowie vergleichbare Konstellationen bedingt sein, bei denen eine feststehende <a href="Hierarchie#Soziale_Systeme" title="Hierarchie">Hierarchie</a> mit einem meist steilen <a href="Macht" title="Macht">Machtgefälle</a> besteht.
</p><p>Die Bastonade wird bis heute in verschiedenen Ländern innerhalb von Gefängnissen, bei Polizeiverhören sowie bei kriegerischen und politischen Auseinandersetzungen angewendet, beispielsweise 2012 in Syrien, da die Schläge „keine Verletzungen“ nach sich zögen.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gefängnisse"><span id="Gef.C3.A4ngnisse"></span>Gefängnisse</h3></div>
<p>In Deutschland war die Bastonade bis zum Ende der <a href="Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Zeit des Nationalsozialismus">NS-Zeit</a> innerhalb von Strafanstalten und Gefangenenlagern gebräuchlich. In Frankreich wurde sie von der Staatspolizei <a href="S%C3%BBret%C3%A9_nationale" title="Sûreté nationale">Sûreté</a> zu Folterzwecken im Verhör eingesetzt und kam in verschiedenen Gefängnissen zum Einsatz, wie beispielsweise in der Strafkolonie <a href="Neukaledonien#Geschichte" title="Neukaledonien">Neukaledonien</a>. Routinemäßig kam die Bastonade auch in griechischen Gefängnissen zum Einsatz, so berichten 83&nbsp;% der inhaftierten Personen bei einer Erhebung im Jahr 1967 von ihrer Anwendung. Die ungarische sowie jugoslawische Polizei verwendete sie in den 1930er Jahren sowie auch die rumänische Polizei bis zum Ende der kommunistischen <a href="Rum%C3%A4nische_Revolution_1989" title="Rumänische Revolution 1989">Ceausescu-Diktatur</a> im Jahre 1989. In Spanien berichteten 39&nbsp;% der Inhaftierten von der Anwendung durch die <a href="Guardia_Civil" title="Guardia Civil">Guardia Civil</a>.
In Europa wurde sie in Zypern, Polen, Litauen, Bulgarien, Georgien, Ukraine, Portugal, Nordmazedonien, der Slowakei und Kroatien im Rahmen des Strafvollzuges eingesetzt.<sup id="cite_ref-Torture2_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-Torture2-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Weitere Staaten, in denen die Bastonade zum Einsatz kam bzw. kommt, sind <a href="Syrien" title="Syrien">Syrien</a>, <a href="Israel" title="Israel">Israel</a>, <a href="T%C3%BCrkei" title="Türkei">Türkei</a>, <a href="Marokko" title="Marokko">Marokko</a>, <a href="Iran" title="Iran">Iran</a>, <a href="%C3%84gypten" title="Ägypten">Ägypten</a>, <a href="Irak" title="Irak">Irak</a>, <a href="Libyen" title="Libyen">Libyen</a>, <a href="Libanon" title="Libanon">Libanon</a>, <a href="Tunesien" title="Tunesien">Tunesien</a>, <a href="Jemen" title="Jemen">Jemen</a>, <a href="Saudi-Arabien" title="Saudi-Arabien">Saudi-Arabien</a>, <a href="Kuwait" title="Kuwait">Kuwait</a>, <a href="Brasilien" title="Brasilien">Brasilien</a>, <a href="Argentinien" title="Argentinien">Argentinien</a>, <a href="Nicaragua" title="Nicaragua">Nicaragua</a>, <a href="Chile" title="Chile">Chile</a>, <a href="S%C3%BCdafrika" title="Südafrika">Südafrika</a>, <a href="Rhodesien" title="Rhodesien">Rhodesien</a>/<a href="Simbabwe" title="Simbabwe">Simbabwe</a>, <a href="Paraguay" title="Paraguay">Paraguay</a>, <a href="Honduras" title="Honduras">Honduras</a>, <a href="Bolivien" title="Bolivien">Bolivien</a>, <a href="%C3%84thiopien" title="Äthiopien">Äthiopien</a>, <a href="Somalia" title="Somalia">Somalia</a>, <a href="Kenia" title="Kenia">Kenia</a>, <a href="Kamerun" title="Kamerun">Kamerun</a>, <a href="Mauritius" title="Mauritius">Mauritius</a>, <a href="Philippinen" title="Philippinen">Philippinen</a>, <a href="S%C3%BCdkorea" title="Südkorea">Südkorea</a>, <a href="Pakistan" title="Pakistan">Pakistan</a> und <a href="Nepal" title="Nepal">Nepal</a>.<sup id="cite_ref-Torture3_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Torture3-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Besatzung">Besatzung</h3></div>
<p>Von britischen Besatzern wurde sie in Palästina sowie in Venezuela, von französischen Besatzern in Algerien, in Südafrika und von US-amerikanischen Soldaten in Vietnam verwendet. Im kolonial besetzten Indien wurde die Bastonade im Zusammenhang mit Steuervergehen angewendet;<sup id="cite_ref-Torture_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-Torture-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> das deutsche NS-Regime setzte die Bastonade neben dem Straf- und Lagervollzug unter anderem auch in den besetzten Ländern <a href="D%C3%A4nemark" title="Dänemark">Dänemark</a> und <a href="Norwegen" title="Norwegen">Norwegen</a> ein.<sup id="cite_ref-Torture2_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-Torture2-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Politische_Unterdrückung"><span id="Politische_Unterdr.C3.BCckung"></span>Politische Unterdrückung</h3></div>
<p>Um die studentische Bewegung in Griechenland einzuschüchtern, wurde diese Methode laufend eingesetzt, da praktisch keine sichtbaren Spuren mehr festzustellen waren, sobald die betroffenen Studenten aus der Haft entlassen waren.<sup id="cite_ref-Torture3_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-Torture3-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Sklaverei">Sklaverei</h3></div>
<p>Während der neuzeitlichen Sklaverei in Brasilien oder den amerikanischen Südstaaten wurde die Bastonade insbesondere dort angewendet, wo ein sogenanntes „sauberes Schlagen“ (clean beating) zur Anwendung kommen sollte. Bei in Sklaverei gehaltenen Frauen sollte in diesem Zusammenhang eine „Wertminderung“ vermieden werden, welche ggf. infolge von Hautverletzungen durch die übliche Auspeitschung eintreten konnte. Da diese laut offiziellen Sklavengesetzen vielerorts ohnehin zur Barfüßigkeit gezwungen waren, war die Bastonade eine naheliegende Strafe. Im Sklavengesetz von Kapstadt findet sich z.&nbsp;B. die Formulierung „Slaves must go barefoot and must carry passes (Sklaven müssen barfuß gehen und Ausweispapiere mit sich führen)“.<sup id="cite_ref-WCG_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-WCG-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Somit wurde zur Bestrafung vor allem jüngerer Frauen mit höherem Verkaufswert häufig ausweichend die Bastonade verwendet, zumal sich diese Methode als sehr effektiv erwies, jedoch in der Regel keine ernsten Verletzungen zurückblieben und der „Handelswert“ hierdurch auch nicht vorübergehend gemindert wurde.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Durchführung"><span id="Durchf.C3.BChrung"></span>Durchführung</h2></div>
<p>Die Bastonade wird mit einem hierfür geeigneten Schlaginstrument auf die bloßen Fußsohlen der betreffenden Person ausgeführt. Die Schläge erfolgen im Normalfall in den Bereich der weichen <a href="Fu%C3%9Fgew%C3%B6lbe" class="mw-redirect" title="Fußgewölbe">Fußgewölbe</a>, aber auch auf <a href="Ferse" title="Ferse">Fersen</a> und <a href="Ballen" title="Ballen">Ballen</a>. Der Bereich der Zehen wird üblicherweise aufgrund hoher Verletzungsanfälligkeit ausgespart. Meist kommen hierbei leicht biegsame Schlaginstrumente wie <a href="Gerte" title="Gerte">Gerte</a> oder <a href="Rohrstock" title="Rohrstock">Rohrstock</a>, aber auch Riemen, Kabel oder <a href="Birkenrute" title="Birkenrute">Ruten</a> zum Einsatz.
</p><p>Nach nahöstlicher Methode (tr: <i>Falaka</i>) werden die Fußgelenke an einen Balken geschnürt und mit ihm emporgehoben, die Schläge werden hierbei meist mit einem hölzernen Stock ausgeführt. Im Bericht <i>File on Torture (in Turkey)</i> von <a href="Amnesty_International" title="Amnesty International">Amnesty International</a> vom September 1987 wird diese dort am häufigsten angewandte Methode bildlich gezeigt und beschrieben, dass hierzu nur ein Stuhl und ein Seil notwendig seien, um die Füße in einer Position zu fixieren. Es waren und sind jedoch in anderen Regionen verschiedene Arten üblich, die betreffende Person für die Bastonade zu fesseln und die Züchtigung auszuführen. In westlichen Kulturen waren für Züchtigungen zumeist Strafbänke üblich, auf denen die Delinquenten bäuchlings festgeschnallt wurden, und es kamen leichtere Schlaggeräte zum Einsatz.
</p><p>Die zu schlagende Person wurde bzw. wird bei allen Erscheinungsformen grundsätzlich in der Bewegungsfreiheit wenigstens soweit eingeschränkt, dass es ihr nicht möglich ist, in Erwartung der Schlageinwirkung oder im Schmerzreflex die Füße oder den Körper aus der durch Fesselung erzwungenen Position zu bringen. Hierdurch sollen vor allem Verletzungen bei der betreffenden Person vermieden werden, die bei unkontrollierter Bewegung durch fehlgehendes Auftreffen der Schläge eintreten können.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Auswirkungen">Auswirkungen</h2></div>
<p>Durch die Bastonade wird eine besonders intensive <a href="Oberfl%C3%A4chensensibilit%C3%A4t" title="Oberflächensensibilität">Schmerzwahrnehmung</a> ausgelöst, da die menschlichen Fußunterseiten aufgrund der hohen Dichte an <a href="Nervenzelle" title="Nervenzelle">Nervenzellen</a> eine sehr hohe <a href="Schmerzschwelle" title="Schmerzschwelle">Schmerzsensibilität</a> aufweisen. Der bei Verwendung von Rohrstock, Gerte oder anderen flexiblen Instrumenten von geringem Durchmesser von der betroffenen Person wahrgenommene <a href="Schmerz" title="Schmerz">Schmerzreiz</a> wird zumeist als schneidend, stechend oder beißend, nachwirkend häufig als brennend beschrieben. Der ausgelöste Schmerz ist hierbei nicht auf die punktuelle Einwirkungsstelle auf den <a href="Fu%C3%9Fgew%C3%B6lbe" class="mw-redirect" title="Fußgewölbe">Fußbogen</a> beschränkt, sondern strahlt akut in den gesamten Körper aus. Dieser Effekt entsteht, da der längsseitig unter der Fußsohle entlang führende <a href="Nervus_tibialis" title="Nervus tibialis">Schienbeinnerv</a> den Reiz unmittelbar in den zentralen <a href="Ischiasnerv" title="Ischiasnerv">Ischiasnerv</a> weiterleitet und dieser von dort aus reflexartig in die übrigen Körperregionen ausstrahlt.
</p><p>Die Schmerzsensibilität der Fußsohle nimmt hierbei im Gegensatz zu anderen Körperregionen bei sich wiederholenden Schlägen nicht ab. Es tritt durch die funktionelle Eigenart der Fußsohle (wie auch der Handfläche) als primäres <a href="Haptische_Wahrnehmung" title="Haptische Wahrnehmung">Tastorgan</a> hierbei weder ein Taubheitsgefühl noch eine Gewöhnung ein. Die <a href="Schmerz#Nozizeption" title="Schmerz">Schmerzwahrnehmung</a> nimmt mit steigender Anzahl der Hiebe durch zunehmende Aktivierung der <a href="Nozizeptor" title="Nozizeptor">Nozizeptoren</a> bis zu deren maximaler Reizung vielmehr graduell zu. So kann nach wiederholten Schlageinwirkungen schon ein geringer Berührungs<a href="Reiz" title="Reiz">reiz</a> soweit verstärkt werden, dass er eine erhebliche Schmerzempfindung auslöst. Bei gleichbleibender Intensität der Schläge nimmt daher der empfundene Schmerz bis zu einem gewissen Grad stetig zu. Die während der Bastonade wahrgenommenen Schmerzen können jedoch abhängig von der subjektiven Schmerztoleranz und deren möglicher weiterer Verschiebung durch Gefühle von <a href="Angst" title="Angst">Angst</a> und <a href="Ohnmacht_(Psychologie)" title="Ohnmacht (Psychologie)">Ohnmacht</a> als unterschiedlich intensiv bewertet werden.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei Ausführung der Bastonade in der oben beschriebenen Weise bleiben die körperlichen Auswirkungen in der Regel vorübergehender Natur. Die unterhalb des weichen Fußgewölbes liegenden <a href="Mittelfu%C3%9Fknochen" title="Mittelfußknochen">Mittelfußknochen</a> sind durch die darüber verlaufende kurze <a href="Fu%C3%9Fmuskulatur" class="mw-redirect" title="Fußmuskulatur">Fußmuskulatur</a> geschützt, die Krafteinwirkung eines Schlaginstrumentes wird im Regelfall durch Haut und Fußmuskulatur vollständig aufgenommen, ohne die Fußknochen zu verletzen. <a href="H%C3%A4matom" title="Hämatom">Hämatome</a> oder offene Verletzungen treten auch bei höherer Intensität der Schlageinwirkung äußerst selten auf, da die <a href="Dermis" title="Dermis">Haut</a> der Fußsohle wie auch die der Handflächen eine vielfach höhere Stärke als andere Hautregionen aufweist und elastischer beschaffen ist.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So treten bei der betroffenen Person trotz der Auslösung hoher <a href="Schmerz" title="Schmerz">Schmerzreize</a> üblicherweise kaum ernste Verletzungen auf. Äußerlich sichtbare Nachwirkungen in Form von Rötungen und sichtbaren Striemen klingen meist einige Stunden bis Tage nach der Durchführung ab, auch die nachwirkenden Schmerzen gehen während dieser Zeit graduell zurück. Eine der Bastonade unterzogene Person kann trotz oft erheblicher nachwirkender Schmerzen nach kurzer Zeit zumeist weitgehend normal gehen.
Aufgrund der hohen Wirkung bei vergleichsweise geringem Aufwand kommt die Bastonade auch gegenwärtig noch in vielen Ländern zur Anwendung (siehe oben).
</p><p>Wird die Bastonade im Gegensatz zu der oben beschriebenen Ausführungsweise unter Verwendung starrer und massiver Schlaginstrumente in die Bereiche von Zehen, Ballen oder Ferse ausgeführt, wie es im Rahmen der nahöstlichen <i>Falaka</i>-Methode zum Teil praktiziert wird, können hiermit selbst bei leichter Schlageinwirkung schwere Verletzungen wie <a href="Knochenbruch" title="Knochenbruch">Knochenbrüche</a> und <a href="Denervierung" title="Denervierung">Nervenschädigungen</a> sowie folgend eine häufig dauerhafte Beeinträchtigung der <a href="St%C3%BCtz-_und_Bewegungsapparat" title="Stütz- und Bewegungsapparat">Bewegungsfunktion</a> zurückbleiben. Dieses in diesen Fällen häufig gezielt herbeigeführte oder zumindest in Kauf genommene Ergebnis ist aufgrund seiner dauerhaft schädigenden Wirkungsweise unter dem Begriff der <a href="Leibesstrafe" class="mw-redirect" title="Leibesstrafe">Leibesstrafe</a> einzuordnen. Unmittelbar nach einer erlittenen <i>Falaka</i> ist es der betreffenden Person oft nicht möglich zu stehen oder zu gehen und es bedarf einer längeren Zeit der Ausheilung, die oft nicht vollständig möglich ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Neuzeitliche_Geschichte">Neuzeitliche Geschichte</h2></div>
<p>Sowohl vor als auch nach dem <a href="Milit%C3%A4rputsch_in_der_T%C3%BCrkei_1980" title="Militärputsch in der Türkei 1980">Militärputsch in der Türkei 1980</a> war die Bastonade eine der klassischen <a href="Foltermethoden" class="mw-redirect" title="Foltermethoden">Foltermethoden</a>.
In Frauengefängnissen des gegenwärtigen Iran werden die Inhaftierten regelmäßig mit der Bastonade bestraft sowie unter deren Anwendung verhört.<sup id="cite_ref-www.spiegel.de_11-0" class="reference"><a href="#cite_note-www.spiegel.de-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-www.dw.de_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-www.dw.de-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-www.faz.net_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-www.faz.net-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
In Indien werden Insassinnen der Frauengefängnisse in gleicher Weise durch Schläge auf die Fußsohlen gezüchtigt.<sup id="cite_ref-www.hrw.org_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-www.hrw.org-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Auch in Syrien stellt die Bastonade eine übliche Bestrafung in dortigen Gefängnissen dar.<sup id="cite_ref-www.tagesspiegel.de_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-www.tagesspiegel.de-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Im Libyen-Konflikt wird die Bastonade ebenfalls regelmäßig eingesetzt (Bericht der <i>Berliner Zeitung</i> vom 14. September 2011).<sup id="cite_ref-www.berliner-zeitung.de_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-www.berliner-zeitung.de-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
In <a href="Konzentrationslager" title="Konzentrationslager">Konzentrationslagern</a> des <a href="NS-Regime" class="mw-redirect" title="NS-Regime">NS-Regimes</a> stellte die Bastonade eine alltägliche Form der Züchtigung von Inhaftierten beider Geschlechter dar.<sup id="cite_ref-Ruxandra_17-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ruxandra-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Auch aus Kinderheimen während dieser Zeit wird von regelmäßiger Bestrafung durch oft mehr als 100 Schläge auf die Fußsohlen berichtet.<sup id="cite_ref-kurier.at_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-kurier.at-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Aus <a href="%C3%96sterreich" title="Österreich">Österreich</a> wird der Einsatz der Bastonade in Kinderheimen bis in die 1960er Jahre berichtet.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Im US-amerikanischen Bundesstaat Massachusetts ist bis 1969 die Bastonade im Vollzug der Jugendstrafanstalten dokumentiert.<sup id="cite_ref-Torture2_5-2" class="reference"><a href="#cite_note-Torture2-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Im <a href="Iran" title="Iran">Iran</a> galten vor der <a href="Konstitutionelle_Revolution" title="Konstitutionelle Revolution">Konstitutionellen Revolution</a> von 1905 etwa 50 Stockschläge auf die Fußsohlen als eine vergleichsweise milde, 1000 als eine grausame Bestrafung. <a href="Helmuth_Karl_Bernhard_von_Moltke" class="mw-redirect" title="Helmuth Karl Bernhard von Moltke">Helmuth von Moltke</a> berichtet in einem Brief vom 27. September 1836 aus dem osmanischen Reich als Augenzeuge über eine Strafe von 500 Hieben, 250 je Fußsohle, die auf seine Bitte hin vom Sultan auf 50 reduziert wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur_und_Kunst">Literatur und Kunst</h2></div>
<p>In dem Werk von <a href="Heinrich_Graetz" title="Heinrich Graetz">Heinrich Graetz</a> zur Geschichte der Juden berichtet er im IV. Band über den Einsatz der Bastonade in <a href="Damaskus" title="Damaskus">Damaskus</a>.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der Oper <i><a href="Die_Zauberfl%C3%B6te" title="Die Zauberflöte">Die Zauberflöte</a></i> wird die Bastonade in der 22. Szene erwähnt: „Nur siebenundsiebzig Sohlenstreich“. Die Anzahl der Streiche wurde in anderen Sprachen variiert, um dem musikalischen Takt zu entsprechen. In der englischen Übersetzung ist von vierzig Hieben die Rede.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Bastonade verwendet auch <a href="Karl_May" title="Karl May">Karl May</a> in literarischer Beschreibung, sowohl in seiner <a href="Mahdi-Trilogie" title="Mahdi-Trilogie">Mahdi-Trilogie</a> als auch im <a href="Orientzyklus" title="Orientzyklus">Orientzyklus</a>.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In filmischen Werken wird die Bastonade meist im Rahmen von Gefangenschaft bei politisch motivierter Folter oder Bestrafung dargestellt. Dahingehende Umsetzungen finden sich u.&nbsp;a. in den Spiel- bzw. Fernsehfilmen <i><a href="12_Uhr_nachts_%E2%80%93_Midnight_Express" title="12 Uhr nachts – Midnight Express">12 Uhr nachts – Midnight Express</a> (Midnight Express)</i>, <i><a href="Revolution_(Film)" title="Revolution (Film)">Revolution</a></i>, <i>Bless you, Prison</i>, <i><a href="Die_Geschichte_der_Dienerin" title="Die Geschichte der Dienerin">Die Geschichte der Dienerin</a> (The Handmaid’s Tale)</i>, <i>The Courageous Heart of Irena Sendler</i>, <i>Eleni, Rani</i> sowie <i>Autumn Born</i>.
</p><p>In nahöstlichen Fernsehformaten wird die Bastonade vielfach in der innerhalb dieses Kulturkreises üblichen „Falaka“-Anwendungsweise dargestellt (siehe oben). Hierbei wird die Anwendung der Bastonade nahezu durchgängig an weiblichen Personen gezeigt. Entsprechende Darstellungen finden sich u.&nbsp;a. in den TV-Serien <i><a href="Muhte%C5%9Fem_Y%C3%BCzy%C4%B1l" class="mw-redirect" title="Muhteşem Yüzyıl">Muhteşem Yüzyıl</a></i> (historische Züchtigung von weiblichen Bediensteten, Türkei), <i>Childen Of Streets</i> (Züchtigung von weiblichen Strafgefangenen, Ägypten), <i>Bu kalp seni unutur mu?</i> (politische Folter einer Aktivistin, Türkei) sowie <i>El Shahroura</i> (<a href="H%C3%A4usliche_Gewalt" title="Häusliche Gewalt">häusliche Gewalt</a> gegenüber der Ehefrau, Libanon).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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<li id="cite_note-Torture-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Torture_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Torture_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Torture_2-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Vgl. <i>Torture and Democracy</i> von Darius Rejali. S. 274.</span>
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<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Siehe dazu u.&nbsp;a. die Seite <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.medizinfo.de/hautundhaar/anatomie/lederhaut.htm">Lederhaut</a> in „MedizInfo“ zur Lederhaut; abgerufen am 16. Juni 2013.</span>
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<li id="cite_note-18"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-18">↑</a></span> <span class="reference-text">Siehe einen Bericht bei „krone.at“ vom 29. März 2012 <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.krone.at/Oesterreich/Berichte_ueber_Folter_in_Kinder-Heim_auf_der_Hohen_Warte-Schwere_Vorwuerfe-Story-316489">Berichte über Folter in Kinder-Heim auf der Hohen Warte</a>; abgerufen am 19. Dezember 2012.</span>
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<li id="cite_note-19"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-19">↑</a></span> <span class="reference-text">Auszüge daraus sind im Internet unter <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/Geschichte/M/Graetz,+Heinrich/Geschichte+der+Juden/Vierter+Zeitraum/Erste+Periode.+Die+Periode+der+G%C3%A4rung+und+des+Kampfes/11.+Kapitel.+Das+Jahr+1840+und+die+Blutanklage+von+Damaskus">11. Kapitel. Das Jahr 1840 und die Blutanklage von Damaskus. (1840.)</a> einzusehen; abgerufen am 19. Dezember 2012.</span>
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<li id="cite_note-20"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-20">↑</a></span> <span class="reference-text">Siehe dazu u.&nbsp;a. die Seite von Jules Speller: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://books.google.de/books?id=HfLkAW0nO4YC&amp;pg=PA186&amp;lpg=PA186&amp;dq=zauberfl%C3%B6te+siebenundsiebzig+sohlenstreich&amp;source=bl&amp;ots=2TbEaybKZa&amp;sig=WYlXPULuzhg3Qv-WB3oleJ0nZNc&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=3LVJUY2jBorRsgaBvoHICA&amp;ved=0CFAQ6AEwBQ#v=onepage&amp;q=zauberfl%C3%B6te%20siebenundsiebzig%20sohlenstreich&amp;f=false"><i>Mozarts Zauberflöte – Eine kritische Auseinandersetzung um ihre Deutung.</i></a> Abgerufen am 20. März 2013.</span>
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<li id="cite_note-21"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-21">↑</a></span> <span class="reference-text">Siehe dazu u.&nbsp;a. die Seite <a rel="nofollow" class="external text" href="https://karl-may-wiki.de/index.php/Vater_der_F%C3%BCnfhundert">Vater der Fünfhundert</a> im Karl-May-Wiki; abgerufen am 19. Dezember 2012.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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